Commons und die Privatisierung von Politik

„Nicht nur der Markt weitet sich aus, sondern auch die Aporie: im Denken, Tun, im Zusammenleben. Der Emanzipation stehen harte Bedingungen und schwere Zeiten bevor. Und die mühselige Arbeit des Maulwurfs. In der Aporie müssen die Maulwürfe einen entgegengesetzten Orientierungspunkt haben. Hier gilt es, die Utopie, die viel geschmähte, von der Assoziation der Freien und Gleichen aus der Verbotszone zu befreien, in die interessierte Ideologen der Ideenlosigkeit, die Vertreter der zweckrationalen Vernunftlosigkeit sie gedrängt haben.“1

Was Johannes Agnoli hier formuliert, ist die Schwierigkeit der grundlegenden Alternativen zu einem Gesellschaftssystem, in dem der Glaube an die Alternativlosigkeit nach dem Zusammenbruch des Ostblocks das Bewusstsein einer breiten politischen Öffentlichkeit vereinnahmt hat. Im entgegengesetzten Orientierungspunkt erledigen wir Anarchist*innen als Teil der radikalen Linken unsere Alltagsgeschäfte und ziehen uns unzufrieden in die Nischen zurück, die uns die individuellen Handlungsspielräume des neoliberalen Kapitalismus bescheren, sofern wir zu den wenigen Glücklichen auf der Welt gehören, die das aufgrund dieses Wirtschaftssystem noch können.

Im nachfolgenden Text soll es darum gehen eine dieser Nischen, in die einige Teile der radikalen Linke in Deutschland geraten ist, zu analysieren, wobei uns wichtig ist, Kritik zu formulieren, ohne aus der Distanz zu schelten, sondern die Frage nach Potentialen nicht zu vergessen. Es soll um Hausprojekte im Zusammenhang des Privat-Politischen gehen oder darum, dass das Persönliche, nicht das Private politisch ist2. Wir schreiben als Leute, die ebenfalls an kollektiven Reproduktionspraxen beteiligt waren und sind und die eine Menge Potential in dieser Graswurzel-Bewegung gesehen haben. Im folgenden wird von Commons als moderner Begriff für Gemeineigentum oder das, was im Mittelalter Allmende hieß, die Rede sein. Es geht um Güter, die nicht individuell, sondern von vielen und zusammen genutzt und verwaltet werden, wobei die Formen unter denen sie bestehen unterschiedlichst sein können. Im Mittelalter waren das z.B. gewohnheitsmäßig bewirtschaftete an Kommunen oder Dörfer anliegende Waldstücke, Flüsse oder Seen, bei denen Feuerholz geholt werden konnte oder Fischfang betrieben wurde. Heute werden auch immaterielle Güter wie Internetplattformen als Commons benannt, insofern, als dass hier Wissen für viele zur Verfügung gestellt wird. Andere derzeitige Beispiele sind verschiedene Arten von Subsistenzwirtschaft, besetzte und kollektivierte Fabriken3 oder Wohnhäuser4, aber auch gekaufte und kollektiv betriebene Fabriken und Wohnhäuser. Im Folgende sollen nicht alle diese Beispiel kritisiert werden, sondern nur unter unternehmerische Formen gebrachte Commons. Speziell wird dabei vor allem von einem für Deutschland populären Beispiel die Rede sein:

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Via Campesina

Sitzt Strahlkraft
Stadttlandverbrauch
er Selbstorganisation
Bleiben nicht hier
orten die Muße
Zapatisten
in die viele Welten passen
Unterfüttern
Weite nicht vergessen
andalusische Bauern
heute heute heute
Graswurzel zu unterwachsen, zersetzen
Zur Zukunft umwälzen im Nichts

Rede zur Einweihung des Mural „Via Campesina“1 (english Version below)

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Versuch einer theoretischen Auseinandersetzung mit Theorie, theoretischer Praxis, praktischer Theorie und ein bisschen Dialektik

Der Text ist aus einer Diskussion zweier Mitglieder der Gruppe Reclaim Utopia entstanden, die nicht in Gänze abgebildet ist. Wenn also an verschiedenen Stellen auf ein Gespräche, eine Debatte oder Begriffe Bezug genommen wird und erstmal nicht klar ist aus welchem Kontext sie kommen, dann entstammen sie der auch unabhängig von diesem Text geführten Diskussion.

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Wie wollen wir kämpfen?

Eine Reaktion auf ‘Wichtig ist massenhaft widerständiges Leben’ aus der Gai Dao Nr. 60 (12/2015)

Vor etwa zwei Monaten ist in der Gaidao ein Text mit dem Titel “Wichtig ist massenhaft widerständiges Leben” erschienen, auf den wir an dieser Stelle reagieren wollen. Dabei geht es uns darum die grundlegende Stoßrichtung des Textes aufzugreifen – die Diskussion über mögliche Strategien anarchistischer Aktivitäten -, um so eventuelle eine Debatte und Diskussion anzustoßen, die unserer Meinung nach seit langem überfällig ist.

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Was ist Politik? Was ist politisch?

Anschließend an den Text „Es geht nicht nur um Politik“ stellen wir hier eine Frage, die in der nachfolgenden Antwort Funktionsweisen des Begriffs in vermeintlich emanzipatorischen Debatten aufzeigen will, um dann einen sehr breit und wage gefassten Politikbegriff anzuschneiden, der versucht vorurteilenden Ausschlussmechanismen Raum zu nehmen.
Der Text ist kurz, essayistisch, beansprucht keine Vollständigkeit und ist aus Diskussionsbeobachtungen in verschiedenen Gruppen entstanden – wir glauben also, dass er in sehr praktischem Kontext steht.

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Kritik der unvernünftigen Gewalt

Kurz vor Silvester ist ein Aufruf zur unvernünftigen Gewalt im Internet erschienen, den wir äußerst kritikwürdig fanden und um den wir uns auch einigen Gedanken gemacht haben. Leider ist unsere Veröffentlichung nicht mehr ganz aktuell, aber wir denken, dass sie trotzdem eine berechtigte Kritik formuliert, sowieso Anstoß zu nach wie vor wichtigen Diskussionen bieten kann.

“Dies ist ein Aufruf zur unvernünftigen Gewalt. Die Befreiung aus dem gewaltvollen Verhältnis das wir ertragen müssen, werden wir nicht durch vernünftige Handlungen erreichen. Wir werden uns den Regeln der instrumentellen Vernunft nicht beugen, sondern sie brechen.”

„Die Vernunft leitet und erleuchtet uns: wenn Sie eine Gottheit aus ihr machen, wird sie Sie blenden und zu Verbrechen verleiten.“ (Anatole France)

Wie Krisis bereits 1997 feststellte ist die Linke angehalten ihr Verhältnis zur Gewalt zu klären1. Das dies nicht geschehen ist, belegt ein Aufruf aus dem Dezember2, um den es hier maßgeblich gehen soll. Dabei hoffen wir, dass dies nur eine pessimistische Annahme von uns ist und dass Gewalt ständig und permanent in Bezugsgruppen und Kreisen von Freund*innen und Vertrauten diskutiert wird; da die engen rechtlichen Grenzen eine öffentliche Diskussion erschweren, wenn nicht gar verunmöglichen. Dem Schweigen um die Gewaltfrage traten erst kürzlich zwei Bücher entgegen, die wir hier einmal ungelesen weiter empfehlen wollen, in der Hoffnung, dass sie zu einer breiteren Reflektion anregen mögen.3

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Es geht nicht nur um Politik…

… sondern auch darum, warum manche Menschen einen solch‘ verschachtelten Text eventuell nicht lesen werden.

The system doesn’t care what politics you wear
And the system doesn’t care you’ll always be a player
And it kinda makes you wonder why you’re always in despair
Always alone struggeling and the system doesn’t care
– A//Political
 

Was ist eigentlich Politik? Was versuchen wir damit zu bezeichnen und was wird damit von anderen bezeichnet? Wie wirkt sie und in welchem gesellschaftlichen Rahmen agieren wir, wenn wir politisch agieren? Wer wird von uns als ‘unpolitisch’ wahrgenommen und warum? Und wieso wird ein ‘unproduktives Nichtstun’ als weniger politisch wahrgenommen als eine Demonstration oder der Besuch eines Vortrags? Diese Fragen wollen wir im folgenden nicht beantworten, aber uns doch aufmachen dazu, einer Antwort näher zu kommen. Wir wollen dabei vor allem auf einen Aspekt fokussieren, den wir meinen in vielen linksradikalen Politik-Verständnissen ausmachen zu können und den wir auch immer noch bei uns entdecken.

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In Our Hands

Awarenesskonzepte bei sexualisierter Gewalt

Veranstaltungsreihe Juli/August 2014

Wir alle wachsen in einem kapitalistischen Normalzustand auf, dessen Hierarchien und Diskriminierungen allgegenwärtig sind und uns Tag für Tag klein halten sollen. Wir können uns diesen Gegebenheiten nicht komplett entziehen, doch auf dem Weg dahin sie zu überwinden, können wir uns wenigstens in von uns selbst geschaffenen Freiräumen zurück ziehen. Solche Schutzräume geben uns die Möglichkeit, ein respektvolles Miteinander zunächst im Kleinen Wirklichkeit werden zu lassen.
Was aber, wenn auch hier kein Schutz vor Übergriffen gewährleistet ist? Wir alle können – bewusst oder unbewusst – Grenzen von Anderen übertreten, davor ist kein Mensch sicher. Wie können wir also unsere eigenen Communities möglichst herrschaftsfrei gestalten, so dass sich darin Anwesende nicht bedroht fühlen müssen? Und wenn es zu Gewalt kommt, welche Handlungsmöglichkeiten gibt es dann für uns abseits von einem staatlichen Justizsystem, in welchem Betroffene viel zu oft erhebliche Retraumatisierungen erfahren müssen?
Mit diesen Fragen wollen wir uns im Rahmen der Vortragsreihe „…“ auseinander setzen und uns gemeinsam mit euch näher mit so genannten Awarenesskonzepten bei sexualisierter Gewalt in linksradikalen Räumen beschäftigen. Alle Veranstaltungen werden in deutscher Lautsprache gehalten und sind offen für alle Gender_Inter_Trans. Es wird eine Einführungsveranstaltung geben, zu der alle interessierten Menschen kommen können sowie drei Workshops, welche allerdings jeweils eine begrenzte Teilnehmer_innenzahl haben. Wenn ihr euch dafür interessiert und anmelden wollt, dann schreibt uns gerne eine Mail: in_our_hands@riseup.net

Lasst uns darüber diskutieren, wie wir Sachen besser machen können –
Revolution starts at home and in our communities!

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Vortrags- & Konzerttour zur Situation in Griechenland

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Vom 3. bis 8. Juli 2014 wird die HipHop-Crew „Social Waste“ aus Kreta & Athen durch einige Städte reisen, um zunächst über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen in Griechenland zu berichten, sowie darüber hinausgehend auch über die sozialen Kämpfe und Versuche der Selbstorganisation. Der Fokus liegt dabei besonders auf antifaschistischen und linksradikalen Ansätzen. Daran anschließend wird es ein Konzert der vierköpfigen Gruppe geben. Also schaut, ob sie auch in eure Stadt kommen und schaut vorbei.

3.7. Bielefeld | 4.7. Göttingen | 5.7. Leipzig | 6.7. Berlin | 8.7. Bremen

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Audiodatei CrimethInc.-Vortrag

Für alle, die es nicht zum Vortrag geschafft haben oder ihn gern nochmal hören würden: hier findet ihr den englischen Mitschnitt vom 18.4.2014:
(Danke an den Infoladen für’s Hochladen und Mitschneiden!)

Crimethinc.-Vortrag by Infoladeng16 on Mixcloud